Kurzinfo
- Zeit: Februar 2026
- Ort: Hurghada, Ägypten
Frühstück
Die Auswahl scheint unbegrenzt zu sein. Auf dem großen Rondell in der Mitte des vor vielen Menschen lärmenden Speisesaals reihen sich nicht enden wollende Terrinen mit Deckeln aus Aluminium auf. Neben dem üblichen Continental Breakfast mit Aufschnitt und Müsli gibt es hier quasi ein vollwertiges Mittagessen schon um neun Uhr morgens. Es riecht nach Pfannkuchen, Omelett und Bacon von der großen Eierstation gegenüber des Buffets sowie dem Rasierwasser des schick herausgeputzten russischen Touristen hinter mir. Die Essensbehälter sind mehrsprachig beschriftet, von “Egyptian Beans /Ägyptische Bohnen / Египетская фасоль” über “Meatballs / Fleischklösschen in Tomatensauce / Фрикадельки в томатном соусе” bis hin zu einer Sektion mit “Healthy food / gesundes Essen / Здоровая еда”. Hier verbergen sich gedämpftes Gemüse, Couscous und magere Fischfilets. Was auch immer mir die letzte Beschriftung zur Qualität des übrigen Essens sagen soll - “Hey, ich weiß, du hast ein schlechtes Gewissen, hier kannst du es ein bisschen beruhigen”? Ich bin sicher nicht hier, um jetzt über irgendwelche nicht vorhandenen Diätpläne nachzudenken.
Trotzdem tue ich mir auch hier ein paar Löffel auf meinen Teller. Ich habe schließlich nicht ewig angestanden, um jetzt hier an Allem vorbeizugehen. Buffet ist ein Strategiespiel. Stück für Stück arbeite ich mich an den Behältern vor. Ich hebe den Deckel neugierig. Begutachte, was sich darunter befindet. Treffe dann möglichst schnell eine Entscheidung. Habe ich überhaupt Lust darauf? Auf der einen Seite habe ich zahllose Köstlichkeiten, die darauf warten, von mir schnabuliert zu werden. Auf der anderen Seite einen begrenzt großen Magen. Hinter mir drängen sich weitere Gäste mal mehr, mal weniger geduldig, die kein Verständnis für meine ausführliche Evaluation der angebotenen Speisen haben. Dazu ist mein Teller leider auch nur begrenzt groß. So muss ich gebratene Zucchini auf Fladenbrot türmen, während sich die Tomatensauce des mediterranen Ofengemüses mit Rührei und schmelzender Kräuterbutter auf den Antipasti zu einer zweifelhaften Komposition vermischt.
Zwischen Pool und Buffet
Selbstverständlich bin ich vor allem zur Erholung hier. Die authentischen kulturellen Erfahrungen sind im All Inclusive Resort, abgeschottet hinter gut bewachten Mauern, auf die Herkunftsländer der anderen Gäste beschränkt. Viel zu tun habe ich mit ihnen ohnehin nicht. Das morgendliche Buffet ist dabei meine persönliche Sozialstudie. Zwischen lauten Familien, verkaterten Junggesellenabschieden und gemütlichen alten Pärchen, die einfach nur schweigend einen Kaffee trinken, sieht man hier den bunten Querschnitt der Gesellschaft zahlreicher Länder, so bilde ich mir ein. Sicherlich erfülle auch ich viele Klischees des deutschen Pauschaltouristen, würde man mich von außen betrachten. Dazu gehört mit Sicherheit das Beobachten und Verurteilen der Eigenarten der übrigen Gäste. Denn was tun wir Alemannen im Urlaub auch lieber als uns über die kleinsten Unannehmlichkeiten zu beschweren. Zumindest stehe ich nicht morgens um sechs auf, um mit meinem Badetuch die besten Liegen zu reservieren. Wobei das hier auch durch ein Leihsystem und strenge Poolzeiten unterbunden wird. Vermutlich nicht ganz ohne Grund.
Erholung ist hier jedenfalls keine Frage. Die schwierigste organisatorische Entscheidung, vor die ich mich nach dem reichhaltigen Frühstücksbuffet gestellt sehe, ist die Auswahl des Swimming Pools, an den ich mich heute legen will. Davon gibt es hier im Resort tatsächlich eine ganze Menge. Die Zimmer sind nicht in einer gigantischen Hotelfestung untergebracht, sondern in zahlreichen kleinen Häusern mit je vier bis sechs Zimmern, die sich entlang eines flach ansteigenden Hügels an der Küste Hurghadas in kleinen Gruppen tummeln. Fast jede hat ihren eigenen Pool, mal ziemlich groß, mal gigantisch, oft mit angrenzender Bar, die die sonnenhungrigen Gäste den ganzen Tag mit kühlen Getränken und Snacks versorgt. Ein riesiger Strandabschnitt mit zahllosen Liegen samt perfekter Aussicht auf das Rote Meer komplettiert das Angebot.
Heute entscheiden wir uns mal wieder für den Poolbereich direkt vor unserem Haus. Die bestimmt schon seit Stunden vor sich hin bratenden Briten, die hier auch Stammgäste sind, haben bereits die Farben reifer Tomaten angenommen. Wir erwischen noch zwei nebeneinander stehende Liegen im Schatten einer der strohgedeckten Sonnenschirme, und marinieren uns erst mal vorsorglich mit Sonnencreme ein. Schon kommt der eifrige Kellner geeilt. Wir haben ihn wegen seiner Ähnlichkeit mit einem Freund von Zuhause den ägyptischen Max genannt. Sein nettes Angebot von einem ersten Bier um halb elf Uhr morgens lehne ich dankend ab, und nehme stattdessen einen Eiskaffee. Eigentlich ist mir mit dem vom Buffet noch vollen Bauch nicht gerade nach zusätzlichen Kalorien, aber hey - Wasser ist langweilig. Ich strecke mich mit einer aufsteigenden Welle von wärmender Wonne auf meiner Liege und betrachte das Treiben am Pool. Gott sei Dank sind in dieser Ecke nicht so viele Familien mit Kindern, nur ein französischer Papa spielt ganz entspannt mit seinen zwei niedlichen kleinen Söhnen Ball im Wasser. Das Leben kann so schön sein.
Ich angele mir meinen dicken historischen Roman, der mich in diesem Urlaub begleitet, und vergrabe mich für ein paar Minuten in meiner Lektüre, als auch schon der ägyptische Max mit unserer Bestellung vorbei kommt. “Später dann aber ein Bier?”, fragt er augenzwinkernd und auf Deutsch. “Na klar”, antworte ich ebenso augenzwinkernd. Mit anderen Gästen habe ich ihn schon auf russisch, französisch und englisch sprechen hören. So mancher Angestellter hier könnte wohl auch bei den Vereinten Nationen arbeiten. Unseren Eiskaffee nippend, besprechen wir, wann wir heute was zu Mittagessen holen. Die Frage für mich ist eher, ob, denn eigentlich habe ich hier schon zum Frühstück mehr verspeist, als ich sonst zu zwei Mahlzeiten essen würde. Ich könnte einige Runden schwimmen, um ein paar Alibikalorien zu verbrennen. Aber irgendwie ist die Liege gerade verdammt bequem. So muss mein Kopf mit meinem Körper schon mal verhandeln. Ich klappe wieder mein Buch auf und verschiebe die Entscheidung auf später.
Animation
Der gut gelaunte Moderator versucht, die versammelten Gäste zum Mitmachen zu bewegen. Mittlerweile neigt sich die abendliche Show dem Ende zu. Einige im Publikum sind schon angeheitert genug, um in die Choreografie einzustimmen, oder einfach enthusiastischer als wir. Zwei Dutzend bunt gekleideter Urlauber aller Geschlechter und jeden Alters ahmen ausgelassenen die Bewegungen der Animateure nach. Ganz besonders die Kinder, die den Tanz noch durch Purzelbäume und Drehungen verbessern.
Wir haben bei den All-Inclusive-Drinks noch nicht genug zugeschlagen, um uns mitreißen zu lassen, und schauen lieber von oben zu. Strategisch günstig haben wir uns auf einem Balkon oberhalb der Showbühne platziert, um auch ja nicht die Aufmerksamkeit der Animateure auf uns zu ziehen. Nachdem wir Bauchtanz und einen Derwisch bewundert haben, muss das Publikum zum Abschluss dieses Abends noch mal einbezogen werden. Die resorteigene Hymne ist eine Party-Adaption von “Time to say Goodbye” mit Rap-Einlagen. Sie verbreitet zumindest bei mir eine interessante fröhlich-melancholische Stimmung. Ein toller Urlaubstag im Resort geht zu Ende, und wir feiern das entspannte Leben hier. Die einen tanzend und springend, ich eher gemütlich mit dem Kopf nickend, voll von Fischfilet, Salatbuffet und süßen Cocktails.
