Bescherung am Gate

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Author

Alex

Published

December 25, 2025

Modified

December 25, 2025

Kurzinfo:

Einführung

Bisher habe ich selten Weihnachten nicht Zuhause verbracht. Auch wenn ich viel unterwegs war und bin, hat es mich zur schönsten Zeit des Jahres doch regelmäßig wieder in heimische Gefilde verschlagen. Im Kreise der Familie zu feiern, in den wohligen Kindheitserinnerungen zu schwelgen, die das Fest der Liebe immer zu etwas ganz Besonderem gemacht haben, ist doch immer noch etwas Wunderbares. Eine der Ausnahmen bildete ein Auslandsstudium in den USA, genauer gesagt in Binghamton in Upstate New York, etwa vier Autostunden nordwestlich von New York City. Da die Semester hier etwas anders strukturiert sind, hatte ich über die Feiertage ein paar Wochen mehr Zeit als an den meisten deutschen Unis. Ich hatte mir ein bisschen Geld zusammengekratzt, um etwas reisen zu können. Mein Plan war, mich mit Freunden in Milwaukee in Wisconsin zu treffen.

Stopp in Manhattan

Es gibt zwar auch einen Flughafen in Binghamton, von dem Inlandsflüge abheben, jedoch war das Angebot und auch die Preise deutlich besser an den größeren Flughäfen in New York, sodass ich von Newark in New Jersey, nur einen Katzensprung von Manhattan entfernt, abflog. Nebenbei konnte ich auch dem weihnachtlichen New York und Chicago so noch einen Besuch abstatten, sodass ich schon ein paar Tage vor Heiligabend aus Binghamton aufbrach. Eine Nacht verbrachte ich bei meinem Couchsurfinghost Charles in Harlem im Zentrum des Big Apple, und konnte die vorweihnachtliche Metropole noch ein bisschen erkunden.

Während meiner Zeit in Binghamton war ich schon das eine oder andere Mal da gewesen, und kannte die größeren Sehenswürdigkeiten eigentlich alle schon. Trotzdem hatte die Stadt zur Weihnachtszeit noch mal ein ganz besonderes Flair! Der auffälligste Unterschied zu den üblichen Menschenmassen im Sommer und Herbst waren die noch größeren Massen, die sich die 5th Avenue rauf und runter schoben. So richtig hatte man keine Wahl, wo man lang lief. Aber trotzdem waren die hell beleuchteten Geschäfte mit ihren aufwändig gestalteten Auslagen ein Anblick wie aus einem romantischen Hollywoodfilm. Besonders der große Weihnachtsbaum am Rockefeller Center, bekannt aus “Kevin allein in New York”, bildete eine Pilgerstätte für die Scharen an Touristen, die sich hier einfanden.

Battery Park an der Südspitze Manhattans

Battery Park an der Südspitze Manhattans

Am Rockefeller Center

Am Rockefeller Center

Wie bei “Kevin allein in New York”

Wie bei “Kevin allein in New York”

Weihnachtsbaum in der Wall Street

Weihnachtsbaum in der Wall Street

Odyssee zum Flughafen

Um meinen Flieger nach Chicago am Nachmittag des 20. Dezember zu bekommen, wollte ich den Shuttlebus ab der Port Authority Station im Herzen Manhattans nehmen. Als ich dort ankam und mir ein Ticket löste, in dem Glauben, in der nächsten Viertelstunde im Bus zu sitzen, erkannte ich, dass hier, wie überall in der Stadt, ein reges Treiben herrschte. Vor mir warteten schon hunderte Menschen darauf, zum Flughafen zu gelangen. Ich hatte mir etwas Zeit eingeplant, also alles kein Problem. Und so stand ich geduldig in der Schlange, ein Bus fuhr vor, wurde mit Wartenden gefüllt, fuhr ab in Richtung Flughafen, der nächste kam und so weiter. Irgendwann bauten die ankommenden Busse jedoch immer mehr Verspätungen auf, wohl dem stockenden Verkehr geschuldet, und langsam begann meine Nervosität zu wachsen. Vielleicht war mein Puffer doch nicht so großzügig berechnet wie ich dachte.

Mein gebuchter Bus kam schließlich mit knapp einer Stunde Verspätung. Mittlerweile war ich wirklich knapp dran, wenn ich noch mein Gepäck aufgeben wollte und durch die Sicherheitskontrollen musste. Endlich im Bus angekommen, fiel mir nur teilweise ein Stein vom Herzen, denn der Feierabendverkehr, der für die Verspätung gesorgt hatte, herrschte natürlich auch auf dem Weg aus Manhattan heraus. Mein Blick wanderte permanent auf die Uhr, Minute um Minute verstrich, und wir kamen hier im Stau nur im Schneckentempo voran. Ich fing an, innerlich das Verkehrschaos zu verfluchen, aber auch die Busgesellschaft, die es nicht auf die Kette bekam, mich rechtzeitig zum Flughafen zu bringen. Aber vor allem natürlich mich selbst, weil eigentlich ich der Hauptschuldige an dieser Misere war. Ich hatte mir zwar ein bisschen Zeitpuffer für den Flughafen sowie ein paar Busse, die ich später nehmen konnte, gelassen, aber all das war wohl für ein vorweihnachtliches New York einfach zu wenig. Der geplante Abflug rückte näher und näher, und wir krochen weiter quälend langsam in Richtung Flughafen. Stück für Stück gab ich die Hoffnung auf, meinen Flieger noch zu erwischen. Vielleicht würde ja ein kleines Weihnachtswunder passieren? Ein Anruf bei der Fluggesellschaft blieb erfolglos, ich kam nicht durch. Vermutlich waren durch den vorweihnachtlichen Reiseandrang alle Leitungen belegt.

Endlich am Terminal angekommen, schnappte ich in Windeseile meinen Rucksack und rannte in Richtung Check-In-Schalter. Es war ziemlich genau mein Abflugtermin, und vielleicht würde sich ja aus irgendwelchen Gründen der Abflug verzögern und ich bekäme noch meinen Platz? Keuchend am Schalter angekommen, teilte mir die freundliche Dame der United dann mit, dass mein persönliches Weihnachtswunder leider ausfallen musste. Das Boarding war bereits abgeschlossen und der Flieger auf und davon in den winterlichen New Yorker Nachmittagshimmel. Mir rutschte das Herz in die Hose, und ich sah alle meine Reisepläne für die Winter Break davontreiben. Würde ich nun die Ferien, nicht zuletzt Weihnachten, allein in Binghamton verbringen? Ich war schließlich aus eigenem Verschulden jetzt nicht in meinem Flugzeugsessel, und einen weiteren Flug, so kurz vor Weihnachten, konnte ich mir beim besten Willen nicht leisten. Vielleicht hat mein trauriger Hundeblick ihr Herz erweicht, oder es war einfach nur guter Kundenservice, aber zumindest bot mir die freundliche Dame an, mich auf den nächsten freien Flug umzubuchen. Der ging am nächsten Tag um ein Uhr Mittags, knapp neunzehn Stunden später. Glück im Unglück, jetzt musste ich mich halt die Nacht hier am Flughafen einrichten, und meinem Couchsurfinghost Derek in Chicago Bescheid geben, dass sich meine Ankunft um einen Tag verzögern würde. Das war alles doof, aber immer noch eine sehr glückliche Wendung in diesem Schlamassel… Ich bedankte mich hundertmal bei der netten Dame am Schalter und nahm das Angebot gerne an. Mein kleines persönliches Weihnachtswunder. Mit ein bisschen Glück würde ich auch einen früheren Flieger bekommen, falls bei einem der zahllosen Flüge von New York nach Chicago jemand kurzfristig absagte. Dann würde jemand aufrücken von der Warteliste, in die ich jetzt aufgenommen wurde.

Nacht am Flughafen

Jetzt musste ich mir nur noch die Zeit bis dahin um die Ohren schlagen, aber es gibt dafür sicher schlimmere Orte als einen Flughafen. Es war überdacht, ich hatte Wifi und Strom und eine Menge Möglichkeiten, an Essen und Trinken zu kommen, sowie kostenlose Toiletten. Ein bisschen planlos fuhr ich mit dem Shuttlezug zwischen den drei Terminals des Flughafens Newark hin und her, verplemperte eine Weile bei Burger King und auf diversen Wartebänken. Ich habe schon einige Nächte an diversen Flughäfen verbracht, aber war darauf eigentlich bis dahin jedes Mal vorbereitet gewesen. Jetzt machte ich es mir statt mit einem Schlafsack nur mit meinem Wintermantel auf ein paar Bänken bequem, das musste reichen. Zumindest ein paar Stunden Schlaf fand ich immerhin, bis der am nächsten Morgen einsetzende Reisetrubel mich wieder aufweckte.

Noch hatte ich die Hoffnung, für einen der früheren Flüge nach Chicago einen Nachrückerplatz zu bekommen, jedoch war jeder Flug restlos aus- oder gar überbucht. So musste ich letztlich noch bis zum Nachmittag an den entsprechenden Gates lauern, bis ich zu meinem am Vortag gebuchten Flug schließlich an Board durfte und den Newark Airport endlich hinter mir lassen konnte. So hatte dieses vorweihnachtliche Drama nach fast einem Tag endlich seinen Abschluss gefunden.

Morgenstimmung am Gate

Morgenstimmung am Gate

Endlich ist mein Flieger da

Endlich ist mein Flieger da

Endlich weiter

In Chicago erwartete mich mein Host Derek mit fast einem Tag Verspätung, und wir hatten einen tollen ersten Abend zusammen und viel zu erzählen. Auch das Weihnachtsfest in Milwaukee wurde dann ein großes Wiedersehen mit meinen Freunden aus Deutschland und ein voller Erfolg. Für zukünftige Abflüge von Newark habe ich mir aber lieber noch ein bisschen mehr Puffer eingeplant. Sonst bin ich eher entspannt bei Flügen, hier habe ich meine Rechnung einfach ohne den Feierabendverkehr in Manhattan gemacht.

Kurze Nacht am Flughafen Newark

Kurze Nacht am Flughafen Newark

Ankunft in Chicago

Ankunft in Chicago

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