Berlin, Hamburg, München. Diese Städte sind zu Recht unter den beliebtesten bei Reisenden in und aus Deutschland. Daneben gibt es jedoch auch einige, die deutlich weniger bekannt sind, und die kaum jemand auf dem Schirm hat. Ein paar davon, die ich besucht habe, möchte ich in diesem Artikel nennen. Meistens habe ich die Entscheidung für einen Besuch gar nicht bewusst getroffen. Ich verabrede mich regelmäßig mit meiner Familie und Freunden, die teilweise recht verstreut wohnen, zu einem gemeinsamen Wochenende, wo ein Ort vielleicht einfach praktisch gelegen ist. Nicht selten bin ich dabei dann überrascht von der Schönheit und Vielfalt, die man auch abseits der aufregenden Ballungszentren finden kann.
Limburg
Zwischen Frankfurt und Bonn gelegen, und sogar mit einem ICE-Halt ausgestattet, ist das kleine Städtchen Limburg. Es zählt nur gut 35000 Einwohner und hat eine wunderschöne Altstadt, die dem Mittelalter direkt entsprungen scheint, und die sich in großen Teilen hervorragend erhalten hat. Das bekannteste Wahrzeichen ist der Limburger Dom, der hoch oben über dem Stadtkern thront und einen fabelhaften Rundum-Ausblick auf die Hügel und Wälder der Umgebung bietet. Die farbenfroh gestaltete Fassade mit gotischen Bögen empfinde sogar ich als Architektur-Laie als etwas Besonderes, und ein Besuch zählt hier aus gutem Grund zum Pflichtprogramm. Vom Dom aus hat man außerdem einen wunderbaren Ausblick auf die Umgebung.
Wer Lust hat, kann eine kleine Flusskreuzfahrt auf der Lahn machen, die den Ort gemächlich durchfließt. Zusätzlich gibt es auch viele Wege entlang des Flusses, die zu einem gemütlichen Spaziergang einladen.
Görlitz
Ganz an der östlichen Spitze Deutschlands, direkt an der polnischen Grenze, findet man Görlitz. Ähnlich wie auch Limburg verdankt die Stadt ihre heutige Schönheit auch ihrer Unwichtigkeit: So blieb sie im Zweiten Weltkrieg, ohne wichtige Industrie oder andere Ziele, von Bombenangriffen verschont, und kann heute viele verschiedene Baustile in ihrer historischen Innenstadt vorweisen. Dadurch finden heute auch Filmteams aus aller Welt ihren Weg in die Lausitz, und verhelfen Görlitz durch zahlreiche Auftritte in Film- und Fernsehproduktionen zum Spitznamen “Görliwood”. Und auch ich muss zugeben, dass ein Spaziergang durch die Altstadt sich wie eine Zeitreise anfühlt, und man sich oft fühlt wie ein Statist in einem Film.
Wer Lust hat, kann auch die Oder überqueren und einen Abstecher in die polnische Schwesterstadt Zgorzelec machen. Wen nach langen Stadtspaziergängen der Durst plagt, der kann eine Führung durch die östlichste Brauerei Deutschlands, die Landskron Brau-Manufaktur, buchen.
Stade
Wer im hohen Norden auf der Suche nach einem beschaulichen Wochenende ist, kann sich mal das Städtchen Stade näher anschauen. Nur eine kurze Fahrt vor Hamburg gelegen, kann man die romantische hanseatische Altstadt in einem Spaziergang erkunden und sich gut vorstellen, wie die kleine Hafenstadt vor Jahrhunderten mal ausgesehen haben mag. Zahlreiche kleine Flüsse durchziehen den Ortskern, und kleine Gassen mit typisch norddeutschen ziegelsteinernen Häusern prägen um die Altstadt herum das Bild.
Etwas außerhalb findet man außerdem das Elbufer, wo man vom Deich aus die großen Schiffe beobachten kann, die vom Hamburger Hafen die Weltmeere ansteuern.
Naumburg
Zurück in den Osten Deutschlands: Naumburg in Sachsen-Anhalt kann sogar mit einem UNESCO Weltkulturerbe aufwarten: Der mittelalterliche Dom ist definitiv allein es schon wert, vorbeizuschauen. In den stolzen Mauern kann man eine ganze Weile umherwandeln und die ungewöhnlichen zwei Chöre der Kirche mitsamt der Buntglasfenster und Stifterfiguren besichtigen. Im angrenzenden Hof mit den Kreuzgängen sowie den Klausurgebäuden im Westteil des Komplexes fühlt man sich wie zu Besuch in Hogwarts.
Um den Dom herum befindet sich eine nette kleine Altstadt mit einer Mischung aus mittelalterlichen Häusern bis hin zu moderneren Gebäuden im typischen DDR-Look. Wer nach einem Besuch im Dom noch nicht genug Kultur mitgenommen hat, kann auch ein Friedrich Nietzsche gewidmetes Museum besuchen. Der Philosoph verbrachte in Naumburg einige Jahre seiner Kindheit zusammen mit seiner Schwester und seiner Mutter.
Kelheim
Weiter im Süden, im Herzen Bayerns, finden wir die Stadt Kehlheim. Sie ist mit nur gut 17000 Einwohnern noch mal deutlich kleiner als die meisten anderen in dieser Liste, hat jedoch einige sehr bedeutende Sehenswürdigkeiten zu bieten.
Direkt oberhalb der Stadt, von weithin gut sichtbar, erhebt sich auf dem Michelsberg die Befreiungshalle. Diese im 19. Jahrhundert erbaute Gedenkstätte ist den bedeutenden Siegen während der Befreiungskriege gegen Napoleon Bonaparte gewidmet (auch wenn Bayern damals auf französischer Seite stand). Ein kurzer Spaziergang zu diesem wirklich beeindruckenden Gebäude bietet einen nicht nur den atemberaubenden Blick auf die monumentale Halle mit ihrer reich verzierten Kuppel, sondern auch einen fanstatischen Ausblick auf Kehlheim und das umliegende Altmühltal.
Eine gemütliche Wanderung entlang der Donau gelangt man von der Stadt zum Kloster Weltenburg. Dieses neben den schroffen Felsen des Donaudurchbruchs gelegene Bauwerk ist eine der ältesten Klosterbrauereien der Welt. Im angeschlossenen Biergarten kann man wunderbar ein Kaltgetränk genießen und das altehrwürdige Bauwerk auf sich wirken lassen. Wer zu lauffaul ist, kann den Weg zum Kloster auch per Schiff zurücklegen.
Auch in Kehlheim selbst dreht sich, wie in Bayern nicht anders zu erwarten, vieles um Bier: Das Weiße Brauhaus, bekannt durch das Schneider Weisse, ist eine der ältesten Weißbierbrauereien Bayerns und hat ihren Sitz im Kern der historischen Altstadt.
Kufstein
Zugegeben nicht mehr ganz in Deutschland, aber nur einen Steinwurf von der Grenze entfernt, ist Kufstein. Hier ist vor allem die spektakuläre Umgebung das absolute Highlight eines Besuches. Rund um den Ort erstrecken sich die Berge Tirols, die gerade im Sommer, aber auch das übrige Jahr, zu allen möglichen Freizeitaktivitäten, ganz besonders zum Wandern, einladen. Aber auch Mountainbiking, Paragliding und anderes kann man hier machen. In der Stadt selbst ist vor allem die spektakulär auf einem Berggipfel gelegene Festung Kufstein einen Besuch wert. Eine große Altstadt wie in vielen anderen Orten gibt es zwar nicht, aber entlang des Inns kann man entspannt spazieren und den Blick auf das atemberaubende Bergpanorama genießen.
Kufstein ist übrigens wunderbar als Tagesausflug von München aus erreichbar.