Kein Plan vom Plan - Womit eine Reise planen

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Author

Alex

Published

January 8, 2026

Modified

January 8, 2026

Aller Reise Anfang

Am Anfang einer Reise steht eine Idee. Ein Ort, den ich mal sehen möchte, inspiriert wodurch auch immer. Vielleicht habe ich einen Film gesehen, der dort spielt, oder ein Buch dazu gelesen, und bin bereit, dorthin abzutauchen. Doch wie mache ich aus dieser Idee eine konkrete Reise? Es gibt heutzutage so viele Möglichkeiten, die Welt zu entdecken, dass es einem fast schwindelig werden kann. Bevor ich also in einen Flieger, einen Bus oder auf eine Fähre steige, mache ich mir klar, was mich erwarten könnte, worauf ich Lust habe und was es in meinem Traumziel zu beachten gibt. Dazu gibt es nicht erst dank des Internets viele Informationsquellen. Mit ein paar davon, und welche Erkenntnisse ich daraus gezogen habe, will ich mich in diesem Post auseinandersetzen.

Warum selbst planen?

Wie ich schon in meinem Beitrag hier dargelegt habe, hängt es stark vom eigenen Sicherheitsbedürfnis und der Spontanität ab, ob einem professionelle Reiseanbieter wirklich einen Mehrwert bieten. Man gibt die Freiheit, einen Ort auf seine Weise zu erkunden, so aus der Hand, und muss eigentlich gar nichts weiter tun, als zur verabredeten Zeit am verabredeten Ort zu stehen. Das ist sicher Geschmackssache, und der eine mag es entspannender finden, sich während seines Urlaubes nicht mit Zugfahrplänen und Buchungsportalen herumschlagen zu müssen, während der andere lieber selbst Schwerpunkte legt und sich nicht von einer Reisegruppe oder einem Veranstalter abhängig machen möchte.

Welche Quellen gibt es?

Ohne Anbieter muss ich mich selbst natürlich etwas vorbereiten. Was für Möglichkeiten habe ich hier also?

Reiseführer

Der absolute Klassiker sind vermutlich die typischen Führer, die man in den Reiseabteilungen jeder Buchhandlung finden kann. Sie bieten einem einen super Überblick, farbenfrohe Bilder und Karten des anvisierten Urlaubsortes, und listen die bekanntesten und berühmtesten Sehenswürdigkeiten auf, die es zu bestaunen gibt. Zusätzliche Tipps für Hotels und Restaurants komplettieren dieses Angebot.

Ich persönlich nutze sie für meine Reiseplanung jedoch eher selten. Sie sind relativ teuer, bieten einem kaum Informationen, die man nicht auch anderweitig recherchieren könnte, und sind im schlimmsten Fall auch nicht mehr ganz up to date. Zumindest kann man sich bei den neueren Guides relativ sicher darauf verlassen, dass sie grundsätzlich sauber recherchiert sind und die Informationen stimmen, zumindest zum Zeitpunkt des Erscheinens. Leider nehmen sie oft unnötig viel Platz im Reisegepäck ein, auch wenn es bei den großen Anbietern mittlerweile eine Appversion der Guides gibt.

Social Media

Die üblichen Communities sind voll von Bildern, Reels und Stories, die in farbenprächtigen Bildern wunderschöne Sonnenuntergänge, pulsierende Großstadtkulissen und köstlich aussehende Gerichte von allen Orten dieser Welt anpreisen. Gleich packt einen beim Scrollen das Fernweh, oft auch ein bisschen Neid, und man bekommt unbändige Lust, die dargestellte Erfahrung selbst zu erleben. Jeder weiß, dass solche Eindrücke mit Vorsicht zu genießen sind, aber sich ganz davon zu befreien ist trotzdem nicht einfach. Oft stehen hinter Kanälen in sozialen Medien schlichtweg geschäftliche Interessen. Sei es, die eigenen Klicks und Reichweite zu optimieren, oder ein Produkt oder eine Dienstleistung anzupreisen, oder auch nur ein bisschen anzugeben und das Ego zu füttern, sie stellen oft eine stark geschönte und dramatisierte Version der Wirklichkeit dar.

Es ist nicht verkehrt, sich davon unterhalten zu lassen und ein bisschen zu Träumen. Als echte Quelle, seine Reise zu planen, eignen sie sich aber meiner Meinung nach nicht, da sie wie gesagt mit der Wirklichkeit sehr oft nicht viel zu tun haben. Das köstlich aussehende Curry von Instagram ist an anderen Orten vielleicht genauso lecker und lohnt keinen Umweg, und die auf einem einsamen Berggipfel fotogen in Szene gesetzte Yogapose zeigt nicht die Menschenmassen, die sich gleich außerhalb des Bildausschnittes tummeln. Auch wenn ein Bild sprichwörtlich mehr als tausend Worte sagt, gilt diese Regel hier nicht, und eine Enttäuschung durch die Wirklichkeit ist oft vorprogrammiert.

Ein wohlbekannter Ort, den ich jedoch eher enttäuschend fand. Die klassische Insta-Pose muss natürlich trotzdem sein 😉

Ein wohlbekannter Ort, den ich jedoch eher enttäuschend fand. Die klassische Insta-Pose muss natürlich trotzdem sein 😉

Der Rainbow Mountain in Peru ist zwar sehr schön, aber auch sehr überlaufen, was einem die meisten Bilder nicht zeigen. Mehr dazu kannst du in meinem Artikel hier nachlesen.

Der Rainbow Mountain in Peru ist zwar sehr schön, aber auch sehr überlaufen, was einem die meisten Bilder nicht zeigen. Mehr dazu kannst du in meinem Artikel hier nachlesen.

Reiseblogs

Wie Sand am Meer eines Traumstrandes häufen sich Informationen in den vielen, vielen Reiseblogs und -magazinen, die ich finde, sobald ich eigentlich jeden beliebigen Ort in einer Suchmaschine eingebe. In Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung gibt es wirklich kaum Ziele, zu denen man keine Blogeinträge findet. Es ist leicht, sich hier in der Masse an Tipps und Eindrücken zu verlieren, und am Ende genau so schlau zu sein wie vorher.

Aus diesem Grund ist es ratsam, sich vielleicht erst mal ganz ohne Recherche klar zu machen, was einem denn an seinem Reiseziel reizt, und was die eigenen Vorlieben sind. Mag ich besonders Städte und aufregendes Nachtleben? Bin ich Outdoor-Enthusiast, und suche Aktivitäten mit Adrenalinfaktor? Oder möchte ich vor allem die exotische Küche meines Reisezieles kennenlernen? All das sind Aspekte, die man berücksichtigen kann und sollte, um das Beste aus seiner Zeit vor Ort zu machen. Wenn man sich das einmal klar gemacht hat, kann man an die genauere Recherche gehen: Welche Orte in meinem Zielland bieten mir das, was ich suche? Es ist kein Fehler, ein als “Must Do” angepriesenes Ziel in einem Land auch mal auszulassen, wenn es nicht den eigenen Interessen entspricht. Das erleichtert die Auswahl der richtigen Seiten für mich schon mal deutlich.

Natürlich kann man auch einfach eine Handvoll Seiten mit dem Titel “Die Top x Ziele in y” hernehmen, ein paar der erwähnten Orte herausschreiben und sich daraus eine Route zusammenstellen. Oft sind diese Rankings sich übrigens nicht mal unbedingt einig, was auch immer die jeweilige Kriterien für ein “Top”-Ziel hier auch sein mögen. Das funktioniert aber trotzdem meistens ganz gut, insbesondere wenn man sich keine konkreten Vorstellungen machen kann, welche Schwerpunkte man legen möchte, und einfach einen Rundumschlag seines Ziellandes mitnehmen will. Dann sollte man sich jedoch darauf einstellen, die ausgetretenen Touristenpfade kaum zu verlassen, und am Ende mit wenig individuellen Eindrücken nach Hause zu kommen. Daran ist prinzipiell nichts Falsches. Punkt.

Es fällt mir schwer, hier klare Empfehlungen für einzelne Seiten oder Blogs zu geben, außer diesen hier natürlich 😉 Scherz beiseite, auch ich beschreibe Orte und Erlebnisse aus meiner subjektiven Sicht, und gebe keine detaillierten Anleitungen. Für eine eigene Reiseplanung dient meine Seite daher eher als Inspiration. Ich schaue aber immer wieder mal z.B. hier rein:

Youtube

Auch wenn die Videoplattform streng genommen ebenfalls ein Soziales Medium ist, habe ich festgestellt, dass die dargestellten Inhalte oft informativer sind als Plattformen mit stark visuellem Fokus wie Instagram. Hier ist Platz, um auf Orte intensiv und ausführlich einzugehen, was eine bessere Fülle an Informationen ermöglicht. Reise - Vlogs bilden eine super Ergänzung zu den klassischen schriftlichen Formen, und man kann zu beinahe jedem bekannteren Ort ein Video finden. Hier ist ein bisschen Vorsicht geboten: Es gibt viel Content, der rein auf Clickbaiting oder Selbstdarstellung aus ist, und einem keinen authentischen Eindruck von einem Ort vermittelt. Viele der Videos stellen eher besondere oder schockierende Erlebnisse dar, die der Creator erzählen möchte, keine “normale” Reise, und man findet auch im Vergleich zu schriftlichen Blogs viel versteckte Werbung. Selbstverständlich wollen auch Content Creator Geld verdienen, das im Hinterkopf zu behalten, ist sicherlich nicht verkehrt. Ein paar Kanäle, die ich ganz gut finde, sind:

Bekanntschaften

Eine der besten Wege, seine Reiseplanung inspirieren zu lassen, ist nach meiner Erfahrung durch Menschen, die dort schon waren oder vielleicht sogar leben. Wann immer ich mit Reisenden oder Einheimischen unterwegs ins Gespräch komme, meistens geht es irgendwann um die eigenen Reisepläne und -erfahrungen, und was man selbst besonders toll fand oder vielleicht auch enttäuschend. Und ich muss sagen, ich habe so schon sehr oft wirklich gute Tipps bekommen, auch Dinge, die ich selbst so wahrscheinlich nie recherchiert hätte. Auch zu ganz allgemeinen planerischen Problemen, wie Transport zu meinem nächsten Stopp oder guten Essenstipps hat mir eine einfache Nachfrage schon so manches Mal eine langwierige Recherche erspart oder zumindest erleichtert. Gerade in weniger entwickelten Ländern sind profane Dinge wie ein Fahrplan weniger zuverlässig als die Auskunft eines Einheimischen. Und ganz nebenbei entstehen so interessante Begegnungen und Gespräche, oder vielleicht sogar eine temporäre Reisebegleitung.

Das funktioniert natürlich vor allem dann besonders gut, wenn man bereits unterwegs ist, und führt mich direkt zu meinem nächsten Aspekt.

Daniel lernte ich im Hostel in Japan kennen, er erzählte mir von seinen Lieblingsorten in Südkorea, von denen ich einige auch besuchte.

Daniel lernte ich im Hostel in Japan kennen, er erzählte mir von seinen Lieblingsorten in Südkorea, von denen ich einige auch besuchte.

Viele gute Tipps bekam ich von der Couchsurfing-Community in Jakarta

Viele gute Tipps bekam ich von der Couchsurfing-Community in Jakarta

Mut zur Lücke

Insbesondere wenn man etwas mehr Zeit zur Verfügung hat, ist man gut beraten, seine Reise nicht minutiös zu planen. Ich habe schon so oft festgestellt, das vermeintlich schöne und beliebte Ziele nicht meinem Geschmack entsprechen, und man schnell weiter möchte, oder mir erst vor Ort klar wird, wie viel es eigentlich zu sehen gibt, ich aber aufgrund von anderweitigen Plänen zu einer Weiterreise “gezwungen” wurde. Zudem habe ich unterwegs schon sehr oft gute Tipps für Ziele bekommen, die ich nicht auf meinem Radar hatte (siehe oben), und war dankbar, wenn meine eigene Planung mir genug Flexibilität ließ, um meine Route anzupassen.

Das erfordert verständlicherweise etwas Mut, auch ich hatte auf meinen ersten Touren immer gehörigen Respekt, ohne gute Vorbereitung in einen Flieger zu steigen. Meine Sorgen erwiesen sich jedoch in den allermeisten Fällen als unbegründet. Viel öfter ärgerte ich mich, wenn ich unterwegs spontan andere gute Inspirationen hatte, aber keine Gelegenheit mehr, diesen nachzugehen.

Hier gilt übrigens auch: Weniger festgesteckte Ziele sind oft mehr - sich seine Route nicht zu voll zu packen, gibt einem die Gelegenheit, einen Ort viel mehr zu genießen, und Eindrücke zu verarbeiten. Gerade auf längeren Touren stellt sich nach einer Weile eine gewisse Abgestumpftheit ein, und neue Dinge begeistern einen nicht mehr so wie am Anfang. Der fünfzigste Tempel wird nur schwer die neunundvierzig davor übertrumpfen, so undankbar das klingt. Ein Tag Pause kann hier Wunder wirken. Jedoch tue ich mir zugegebenermaßen selbst sehr schwer damit, da es sich einfach oft sehr nach “Verschwendung” anfühlt. Das ist jedoch ein Trugschluss, wie ich mir selbst immer wieder klar machen muss.

Fazit

Bestimmt habe ich hier noch gute Möglichkeiten zur Reiseplanung nicht ausreichend beleuchtet. Auch bin ich nicht auf grundsätzliche Fragen wie Budget, Versicherung, Visum oder Sicherheitslage eingegangen, das werde ich an anderer Stelle noch tun. Aber was mir nach einigen Touren auf jeden Fall klar ist, um meine nächste Reise zu einem Erfolg zu machen:

  • Mach dir klar, was dich besonders interessiert und reizt, das müssen nicht die top Sehenswürdigkeiten sein. Für eine genauere Planung kannst du Blogs und Reisemagazine als Hilfe nehmen.
  • Mach dich nicht zu verrückt, um auf alle Eventualitäten gut vorbereitet zu sein.
  • Sei offen für Spontanität und lass dir Platz für Flexibilität auf deiner Route.

Mit diesen Leitlinien bin ich bisher eigentlich immer ganz gut gefahren.


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