Mein Start bei Couchsurfing

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Author

Alex

Published

December 18, 2025

Modified

December 18, 2025

Kurzinfo

Auf dem Weg zu Brian

Ich habe mir den Weg genau aufgeschrieben. Vom Busbahnhof aus muss ich fast eine halbe Stunde laufen, um zum Haus von Brian zu kommen. Zuvor habe ich mir von ihm telefonisch seine Abschrift und eine Wegbeschreibung geben lassen, denn mobiles Internet oder auch nur ein Smartphone habe ich auf meiner ersten großen Reise 2011 in Australien noch nicht dabei. Mit jedem Schritt, den ich an diesem Nachmittag durch Brisbane mache, wächst meine Nervosität. Nicht nur mein schwerer Backpack auf dem Rücken und die intensive Sonne dieses australischen Sommers bringt mich zum Schwitzen. Was wird bei meinem ersten Host auf mich warten? Wird er ein seltsamer Mensch sein, oder einfach nur unsympathisch? Und wird seine Wohnung sauber sein, sodass ich mich dort nicht unwohl fühle? Oh je, was wird da wohl auf mich warten? Und ich kann doch nicht einfach so weg, ohne Unterkunft oder irgendeinen Ort, an den ich sonst gehen könnte.

Nun stehe ich vor Brians Tür und würde am liebsten umdrehen und gehen. Was hat mich nur geritten? Das hier fühlt sich irgendwie falsch an, und mein Bauch sagt mir, ich sollte auf dem Absatz kehrtmachen und lieber in einem Hostel mein Glück versuchen. Doch ich schlucke meine besorgten Gedanken herunter und drücke mutig die Klingel.

Erste Berührungspunkte

So oder so ähnlich wird es wohl vielen gegangen sein, die das erste Mal aus Neugier, oder um beim Reisen ein paar wertvolle Taler für eine Unterkunft zu sparen, ein Profil auf Couchsurfing angelegt haben. Irgendwann stand ihr erster Besuch bei einem Host an, und der von Kindesbeinen an eingeimpfte Drang, zu keinen Fremden ins Auto zu steigen oder gar die Wohnung zu betreten, wurde hart auf die Probe gestellt.

Als ich Ende 2011 als typischer deutscher “Nach-dem-Abi-nach-Australien” - Backpacker nach Down Under reiste, hatte ich von Couchsurfing noch nie gehört. Ich war unter den Fittichen einer Travelorganisation, und hatte die ersten Tage alles fertig gebucht wie in einem Urlaub. Doch als man dann nach den anfänglichen Einführungsveranstaltungen auf sich gestellt war, mussten wir schauen, wie wir alleine zurecht kamen. Eine der ersten Lektionen, die ich lernte, war: Alles ist teuer in Australien, und zwar deutlich teurer, als ich vorher gedacht hätte. Mein naiver Plan, von den paar Monaten Arbeit auf der Baustelle, die ich im Vorfeld geleistet hatte, hier ein halbes Jahr zurechtzukommen, mit einem Arbeitsvisum als Backup, löste sich schnurstracks in Luft auf. Insbesondere Übernachtungen erwiesen sich als schwerer Posten in der Reiseplanung. In dieser Zeit erzählten mir ein paar andere Backpacker (höchstwahrscheinlich auch Deutsche, jemand anderen traf man im Hostel in Sydney sowieso nicht) von dieser ominösen Webseite, wo man sich kostenlose Übernachtungen sichern konnte. Ja, ich muss zugeben, dass eine meiner Hauptmotivationen anfangs das Sparen war, als ich mir einfach mal im Internetcafe meiner Travelorganisation ein Profil anlegte.

Erste Suche

Zunächst hielt ich mich mit WWooFing über Wasser, auch hier gab es gegen ein paar Stunden Arbeit am Tag ein kostenfreies Dach über dem Kopf. Doch dazu mehr an anderer Stelle. Aber irgendwann, während ich mich Stück für Stück die Ostküste hocharbeitete, dachte ich mir, sei’s drum, ich probiere es mal aus. Ich fing an, einfach mal Leute in meinem nächsten Ziel, der Surf- und Partygegend Byron Bay, anzuschreiben. Und war dabei komplett erfolglos. Tag um Tag verschickte ich Hosting-Anfragen an alle möglichen Leute, zog dabei einen immer größeren Suchradius. Und erhielt nur Absagen, meistens jedoch überhaupt keine Antwort. Es war Anfang Dezember, in Australien stand das Ende des Schuljahres vor der Tür. Das bedeutete, dass zahlreiche High School-Absolventen in Byron Bay ihren Abschlussurlaub verbringen wollten. Dementsprechend war alles ausgebucht und voll, auch mit den üblichen Schwärmen an Touristen. Also keine guten Voraussetzungen für einen unerfahrenen Backpacker ohne irgendwelche Referenzen.

So gab ich nach bestimmt fünfzig vergeblichen Requests auf, ebenso wie meine Pläne, die Spring Break in der Byron Bay zu verbringen, und schaute stattdessen weiter nördlich in Brisbane. Auch hier erhielt ich anfangs nur frustrierende Absagen, aber irgendwann dann endlich eine lang ersehnte Zusage von Brian. Im Nachhinein kann ich nicht sagen, was ich anders gemacht habe, vielleicht war es auch einfach nur Glück.

Tipps & Tricks

Das hier ist mein persönlicher Start in Couchsurfing, und ich muss sagen, dass ich mich wohl vergleichsweise nicht sehr geschickt angestellt habe. Und das gleich aus mehreren Gründen:

  • In einer so gefragten Gegend wie Byron Bay zu suchen, ist natürlich alles andere als aussichtsreich, erst recht in einer so geschäftigen Zeit wie der Graduation Week. Es wäre schlauer, dort zu suchen, wo es weniger Andrang und Konkurrenz gibt, und auch eher in der Nebensaison, um seine Chancen zu erhöhen.
  • Komplett ohne Referenzen zu suchen, war wahrscheinlich ebenso naiv im Nachhinein betrachtet. Aber gut, irgendwann muss ja jeder mal anfangen. Jedoch gibt es auch einfachere Wege, erste Kontakte zu knüpfen und Referenzen zu erhalten, siehe unten.
  • Außerdem muss ich schon ehrlich einräumen, dass es mir vor allem um eine Unterkunft ging, ich wollte ja vor allem die Partys und Stimmung hier mitnehmen. Um Kontakte ging es mir am Anfang nur nachrangig. Und ich glaube, dass man das meinen Requests auch angemerkt hat. Menschen, und erst recht Couchsurfing-Hosts in Australien, die bestimmt zehn Anfragen am Tag bekommen, spüren schon ganz gut, wie ehrlich eine Nachricht gemeint ist. Und reine Freeloader sind bei Couchsurfing zu Recht nicht gern gesehen.

Würde ich heute der Community neu beitreten, würde ich wohl damit anfangen, erst mal Stammtische oder Hangouts (siehe mein Artikel hier, was das genau alles ist) zu besuchen, wo man auch ohne Hosting Leute treffen und sich Referenzen holen kann. Das war damals noch deutlich weniger ausgeprägt, und Hangouts gab es noch gar nicht. Je mehr Referenzen ich habe, desto einfacher fällt es mir, einen neuen Host zu finden. Das mag keine sehr überraschende Erkenntnis sein, aber ich hatte damals die Bedeutung schon sehr unterschätzt.

Falls man, wie ich auch, vor dem ersten Hosting-Aufenthalt schon eher großen Respekt hat, kann man auch damit anfangen, in der eigenen Stadt bei jemandem zu surfen. Das macht die Suche deutlich entspannter, da man ja keinen Druck hat, eine Bleibe zu finden. Außerdem kann man jederzeit seinen Host verlassen und nach Hause gehen, falls es einem doch zu unwohl wird. Um erste Erfahrungen zu sammeln, ist das vielleicht kein schlechter Ansatz. Wie in vielen menschlichen Situationen ist hier Offenheit und Ehrlichkeit seinem Host gegenüber, auch was fehlende Erfahrung und Nervosität betrifft, ein gutes Mittel, den Aufenthalt entspannt und unkompliziert zu halten. Denn fast jeder wird Verständnis haben, dass es für viele anfangs schwer ist, bei jemand völlig Fremden zu übernachten.

Viele dieser Punkte gelten übrigens auch umgekehrt, falls man seine erste Couchsurfing-Erfahrung als Host machen möchte.

Fazit

Mein Aufenthalt bei Brian war übrigens echt super, er ist ein mega netter Kerl, und ich hatte eine tolle Zeit mit ihm und einigen anderen Reisenden, die dort ein- und ausgingen. Ich kehrte auch nach einer Woche dort noch mehrmals zu ihm zurück, wenn meine Reisen durch Australien mich nach Brisbane verschlugen. Er besuchte mich während meines Studiums sogar in Deutschland, und wir sind bis heute in Kontakt.


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