Kurzinfo:
- Zeit: Oktober 2023
- Ort: Udo Island, Jejudo, Südkorea
Anreise
Schon in meinem letzten Artikel habe ich von der Insel Jeju geschrieben, und wie ich den höchsten Berg Südkoreas bezwungen habe. Doch ich habe mich auch anderen großen und kleinen Herausforderungen gestellt, wie der Umrundung einer kleinen Insel vor der Insel, dem winzigen Eiland Udo an der östlichen Spitze von Jeju. Sie liegt keine zwei Kilometer von der Küste entfernt, ist schnell erreichbar und wartet mit einer menge Sehenswürdigkeiten auf kleinem Raum auf. Keine Frage also, dass ich ihr während meines Aufenthaltes einen Besuch abstattete.
Seongsan Ilchulbong
Dorthin zu kommen, erwies sich wie öfters in Jeju als schwerfällig: Da es auf der eigentlich keinen öffentlichen Nahverkehr bis auf zahlreiche Buslinien gibt, die an jedem Briefkasten halten, dauert es oft eine ganze Weile, irgendwo hinzukommen. So brauchte ich von meiner Unterkunft in der Hauptstadt Jeju City fast zwei Stunden für vielleicht vierzig Kilometer. Dank einer guten Zeitplanung war ich trotzdem recht früh da.
Bevor ich mich an die Überfahrt nach Udo machte, stattete ich noch dem Seongsan Ilchulbong einen Besuch ab. Hierbei handelt es sich um einen kleinen Berggipfel auf einer Halbinsel, der steil über dem Meer aufragt. Wie vieles andere auf der Insel ist er vulkanischen Ursprungs, und man kann seinen stolzen Kegel auch heute noch gut erkennen. Sein Beiname ist Sunrise Peak, also Sonnenaufgangsgipfel, vielleicht weil er an der Ostspitze Jejus gelegen ist. Der Weg dorthin war an diesem sonnigen Oktobertag nicht schwer zu finden: Ein stetiger Menschenstrom floss von der Bushaltestelle in Richtung der Parkanlage, an der der Aufstieg zum Berg beginnt. An einem hölzernen Häuschen erstand ich ein Ticket und reihte mich in die vielen Schülergruppen ein, die hier in Scharen dem Gipfel entgegen liefen. Mir ist schon öfter aufgefallen, sowohl in Japan als auch in Südkorea, dass man an vielen öffentlichen orten immer erstaunlich viele Schulklassen sieht. Als würde der halbe Lehrplan nur aus Exkursionen bestehen. Aber vielleicht kommt mir das ja auch nur so vor.
Zumindest war die Besteigung des Berges keine größere Herausforderung, denn es gab, wie so oft, hier bequeme Holzstege mit Geländer, und man brauchte weder Wanderschuhe noch größeres Geschick, höchstens vielleicht ein bisschen Puste. Schnell wurde ich so mit einem wirklich sagenhaft schönen Ausblick auf die Ostküste Jejus belohnt. Filigrane Küstenlinien winden sich im blaugrünen Wasser, dazwischen kleine Küstenörtchen mit flachen, hellen Gebäuden, in der tiefgrünen Hügellandschaft von Jeju. In das Landesinnere blickend, machte ich in der Ferne schon den erhabenen Kegel des Hallasan aus, ein erloschener Vulkan, der der höchste Punkt nicht nur der Insel, sondern ganz Südkoreas ist. In östlicher Richtung erstreckte sich in die Weite das tiefblaue Meer, bis es am Horizont unter einem Haufen aus Schäfchenwolken mit dem Himmel zu verschmelzen schien. Die vielen Besucher auf dem Berg trübten diese Eindrücke nur unerheblich, zumal sich auf dem langen Grat, der den Gipfel bildet, der Andrang durch die vielen hölzernen Aussichtsplätze sehr gut verläuft.
Überfahrt nach Udo Island
Wieder untern angekommen, machte ich mich auf den Weg zum Fähranleger in Richtung Udo. Der Name dieser Insel wird nicht ausgesprochen wie der deutsche Vorname, sondern auf die zweite Silbe betont. Der Name bedeutet auf koreanisch Kuhinsel, weil die Insel aus der Vogelperspektive angeblich aussieht wie eine Kuh, die auf dem Boden liegt. So viel Fantasie habe ich dann doch nicht, um diesen Vergleich nachvollziehen zu können. Zumindest musste ich nicht allzu lange warten, da die Fähren im Halbstundentakt zur Insel übersetzen. Irgendwas vorbestellen musste ich zumindest nicht, und ich hatte den Eindruck, die Schiffe waren trotz des relativ großen Besucherandranges nicht allzu voll.
Nach nur 15 Minuten legten wir am westlichen Ufer von Udo an. In dem kleinen Örtchen gibt es ein paar Cafes und Hotels, sowie zahlreiche Mietwagen- und Fahrradverleihe. Der Drahtesel ist einer der beliebtesten Wege, die kleine Insel zu umrunden, ich sehe zahlreiche Besucher, die fleißig in die Pedale treten, mal mit Elektroantrieb, mal ohne, sogar Fahrradrikschas kann man sich bei bewegungsfaulen Mitreisenden besorgen. Ich besorgte mir ebenfalls ein schnittiges Gefährt für meinen Besuch, tatsächlich auch mit Elektromotor ausgerüstet. Der Plan war, Udo im Uhrzeigersinn zu umrunden, was nur eine Tour von gut siebzehn Kilometern ist, je nachdem, wie viele Umwege man in Kauf nimmt. Entlang des Weges gibt es eine Menge Sehenswürdigkeiten zu sehen.
Sehenswürdigkeiten auf Udo Island
Mangru Lighthouse
Mein erster Stopp ist der Leuchtturm Mangru im äußersten Norden der Insel. Er ist selbst nicht besonders spektakulär und sieht eher aus wie ein überdimensionaler Sechskantschlüssel. Die umgebende Natur ist jedoch echt schön anzusehen, der Strand besteht aus groben, schwarzen Vulkansteinen, die vor dem blauen Meer und dem weißen Turm einen echt hübschen Gegensatz bilden.
Udo Biyangdo
Jeju ist eine Insel, Udo ist eine Insel vor der Insel und Biyangdo ist eine Insel vor der Insel vor der Insel. Das heißt, fast, denn über einen schmalen Landsteg ist sie noch mit Udo verbunden, sodass man trockenen Fußes dorthin gelangen kann. Auch hier läuft man auf vulkanischem Gestein, sodass man sich fühlt, als würde man einen übergroßen Kohlegrill durchschreiten, um zur Insel zu gelangen. An deren Ende befindet sich ein weiterer Leuchtturm, diesmal in Schwarz mit gelben Elementen. Wer will, kann zwischen den Steinen, die fließend in das Meer übergehen, austesten, wie gut er hüpfen kann, ohne nasse Füße zu kriegen.
Black Sand Beach
Etwas weiter südlich an der Westküste Udos befindet sich in einer Bucht gut versteckt der Black Sand Beach, der ungefähr genau das ist, was sein Name vermuten lässt. Der Sand ist von den Gezeiten fein geschliffenes, Überraschung, Vulkangestein, und sieht aus wie feine Grillasche. Eingerahmt von schroffen Felsen und einem fantastischen Ausblick auf das blaugrüne Meer kann man hier wunderbar eine kleine Pause bei der Umrundung der Insel einlegen. Die hier gelegene Höhle Dongangyeonggul ist nur bei einem niedrigen Wasserstand erreichbar und einen kleinen Abstecher wert, wer sich traut, das von spitzen steinernen Zähnen gespickte Maul dieses Felsenmonsters zu betreten.
Udo Lighthouse & Hundertwasserpark
An der Südspitze Udos gelegen ist ein weiterer Leuchtturm, der wohl aufgrund seiner erhöhten Lage der am besten sichtbare sein dürfte. Er ist über einen kurzen Aufstieg zu erreichen, sodass ich mein Fahrrad hier kurz stehen lassen und zu Fuß weiter gehen musste. Der Trip lohnte sich, im warmen Sonnenlicht dieses Oktobernachmittags lag das Meer ruhig und erhaben da. Auch ein weiter Streifen der Küste Udos lässt sich von hier bewundern.
Nicht weit entfernt wurde einem bekannten Künstler ein Denkmal gesetzt. Der von dem österreichischen Architekten inspirierte Hundertwasserpark, der mit seiner wohlbekannt bizarren Gestaltung definitiv einen Besuch wert ist. Der gesamte Komplex, auch Hundert Hills genannt, beherbergt ein Hotel mit Restaurant, Tagungszentrum und Souvenirladen. Man kann aber auch wie ich einfach so durchschlendern.
Rückfahrt
Nach meiner ermüdenden Umrundung der Insel musste ich mich schon ein bisschen beeilen, denn die letzte Fähre zurück nach Jeju sollte schon gegen 17 Uhr ablegen. Also schnell mein Fahrrad abgegeben, und - oh Schreck, festgestellt, dass diese Fähre nicht von meinem Ankunftshafen, sondern etwas weiter südlich auslaufen würde. So wurde ich noch einmal gefordert, und joggte in Windeseile zum Cheonjin Anleger. Dieser überraschte mich noch mit einer ziemlich guten Aussicht auf Jeju und den Kegel des Hallasan, bevor ich auf den letzten Drücker noch die Fähre bestieg. Ermüdet und zufrieden von dieser Kombination aus körperlicher Ertüchtigung und neuen Eindrücken blickte ich beseelt der schon langsam sinkenden Sonne über der Küste Jejus entgegen.


















